Jüdische Feiertage

Ein Au pair Jahr bedeutet, dass du den Alltag deiner Gastfamilie wirklich miterlebst – und dazu gehören auch Feiertage und Traditionen. Wenn deine Gastfamilie jüdisch ist, wirst du statt Weihnachten oder Ostern vielleicht ganz andere Feste kennenlernen, wie etwa Hanukkah. Viele davon sind eng mit Geschichte, Religion und Familienleben verbunden. 

Damit du dich gut orientieren kannst, beginnen wir mit einem Fest, das dir wahrscheinlich schon bekannt ist, und gehen dann durch das Jahr weiter. 

Hanukkah: Das Lichterfest im Winter

Hanukkah (oder auch "Chanukka") findet im späten Herbst oder Winter statt, meist im November oder Dezember. Vielleicht kennst du es schon aus Filmen oder Serien – vor allem in den USA wird es größer gefeiert, obwohl es nicht zu den höchsten religiösen Feiertagen zählt. 

Hintergrund des Festes

Gefeiert wird die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Der zentrale Teil der Geschichte ist das sogenannte Ölwunder: Eine kleine Menge geweihten Öls reichte acht Tage lang, obwohl sie eigentlich nur für einen Tag bestimmt war. 

Traditionen im Alltag

Hanukkah dauert insgesamt acht Tage. Jeden Abend wird eine weitere Kerze an der "Chanukkia" angezündet – der besondere Leuchter, der statt der normalerweise sieben Arme acht Arme besitzt. Angezündet wird er immer mit der neunten Kerze, der sogenannten „Dienerkerze“. 

  • Die Kerzen werden von rechts nach links angezündet  
  • Es werden Segenssprüche gesprochen  
  • Danach wird oft gemeinsam gesungen  

Für dich als Au pair heißt das: Du bist jeden Abend Teil eines kleinen Rituals, das besonders für Kinder wichtig ist. 

Essen und Bräuche

Zur Erinnerung an das Ölwunder werden in dieser Zeit viele Speisen in Öl zubereitet: 

  • Latkes (Kartoffelpuffer)  
  • Sufganiyot (gefüllte Krapfen)  

Außerdem wird gespielt (zum Beispiel mit dem Dreidel, einer Art Kreisel) und Kinder bekommen oft kleine Geschenke. 

Der typische Gruß lautet: „Chanukah sameach“ oder „Happy Hanukkah“. 

chanukkia mit drei brennenden Kerzen
Channukia mit leuchtenden Kerzen. (c) Unsplash

Pessach: Das Frühlingsfest der Befreiung

Pessach (auch Passover genannt) findet im Frühling statt, meist im März oder April. Es gehört zu den wichtigsten jüdischen Feiertagen und fällt nicht selten mit dem Osterfest zusammen. 

Hintergrund des Festes

Gefeiert wird die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft. Diese Geschichte steht im Zentrum des gesamten Festes.

Der Seder Abend

Der Höhepunkt ist der erste Abend, der sogenannte Seder: 

  • Ein mehrstündiges, strukturiertes Abendessen  
  • Fester Ablauf nach der Haggadah (liturgischer Text)
  • Vorlesen der Geschichte des Auszugs aus Ägypten  
  • Gebete und Lieder  

Auf dem Tisch stehen symbolische Speisen wie: 

  • Matzot (ungesäuertes Brot)  
  • Salzwasser  
  • Kräuter  
  • Charoset (süße Paste aus Nüssen, Gewürzen und Äpfeln)

Während der gesamten Pessach-Zeit wird kein gesäuertes Brot gegessen (also kein Brot, das mit Triebmitteln wie z.B. Hefe gebacken wurde). Du wirst also in dieser Woche viele Matzot sehen – dünne, knusprige Brotfladen. 

Insbesondere bei Juden europäischer Abstammung sind ypische Speisen zum Beispiel „Matzah balls“ oder „Gefilte Fish“. 

Der Gruß zu diesem Fest lautet: „Chag Pessach Sameach“ oder „Happy Passover!“. 

Gruppe sitzt am Tisch bei der Seder-Feier
Eine Gruppe an Menschen an der Seder-Tafel. (c) Unsplash

Rosh HaShana: Das jüdische Neujahr im Herbst

Rosh HaShana findet im Herbst statt, meist im September oder Oktober, und markiert den Beginn des jüdischen Jahres. 

Hintergrund des Festes

Der Name bedeutet „Kopf des Jahres“. Es ist eine Zeit des Neuanfangs und der Reflexion.

Traditionen

Wie alle jüdischen Feiertage beginnt Rosh HaShana am Vorabend des eigentlichen Feiertags. 

Typisch sind: 

  • Festliche Mahlzeiten mit symbolischen Speisen  
  • Äpfel mit Honig für ein "süßes neues Jahr"  
  • Rundes Challah Brot als Symbol für den Jahreskreis (statt der gewohnten Zöpfe am Schabbat)
  • Granatapfelkerne für viele gute Taten  

Ein wichtiger Bestandteil ist auch das Blasen des Shofars (ein Horn), das laut Tradition gehört werden soll. 

Viele Menschen besuchen außerdem den Gottesdienst in der Synagoge. 

Der Neujahrsgruß lautet: „Shana tova umetuka!“ (Ein gutes und süßes neues Jahr). 

grüne Äpfel mit Honig
Äpfel mit Honig für ein "süßes neues Jahr". (c) Unsplash

Was du beachten solltest

Der Alltag ist an Yom Kippur oft sehr ruhig: 

  • Es wird nicht gegessen  
  • Viele sind in der Synagoge  
  • Aktivitäten sind stark reduziert  

Für dich als Au pair bedeutet das vor allem: Respektiere die besondere Stimmung und passe dich dem Tagesrhythmus deiner Gastfamilie an. 

Yom Kippur: Der höchste Feiertag im Herbst

Yom Kippur folgt wenige Tage nach Rosh HaShana und liegt ebenfalls im Herbst. 

Hintergrund des Feiertages

Es ist der wichtigste jüdische Feiertag und steht im Zeichen von: 

  • Reflexion  
  • Vergebung  
  • innerer Einkehr  

Viele gläubige Menschen fasten an diesem Tag und verbringen viel Zeit im Gebet. 

Weitere jüdische Feiertage im Jahresverlauf

Neben diesen großen Festen gibt es noch weitere jüdische Feiertage, die du je nach Gastfamilie erleben kannst: 

  • Purim (später Winter oder Frühling): ein fröhliches Fest mit Kostümen und Spielen, das sehr an unseren Karneval erinnert.  
  • Sukkot (Herbst): ein Fest, bei dem (in religiösen) Familien in einer Laubhütte außerhalb des Hauses gegessen und geschlafen wird  
  • Schabbat (jede Woche): der wöchentliche Ruhetag von Freitagabend bis Samstagabend. Ob und wie er begangen wird, ist stark davon abhängig, wie religiös eine Familie ist. 

 

Fazit: Kultur wirklich erleben

Die verschiedenen jüdischen Feiertage geben dir einen ganz neuen Blick auf den Alltag deiner Gastfamilie. Vom winterlichen Hannukah über das Frühlingsfest Pessach bis hin zu den Herbstfeiertagen Rosh HaShana und Yom Kippur – jedes Fest hat seine eigene Bedeutung und Atmosphäre. 

Ob und wie genau deine Gastfamilie diese Feste feiert, kann individuell sehr verschieden sein und hängt auch davon ab, wie religiös sie ist. 
Für dich als Au pair ist es aber so oder so eine besondere Chance: Du lernst Traditionen nicht nur kennen, sondern erlebst sie aktiv mit. Genau das macht dein Au pair Jahr so einzigartig.