Konflikte in der Gastfamilie: So gehst du mit ihnen um
Ein Au pair Jahr bedeutet, für mehrere Monate Teil einer neuen Familie zu werden. Du lebst unter einem Dach, übernimmst Verantwortung für die Kinder und wirst gleichzeitig in einen Alltag integriert, der sich deutlich von deinem gewohnten Leben unterscheiden kann. Dass dabei nicht immer alles reibungslos läuft, ist normal.
Probleme mit der Gastfamilie können ganz unterschiedliche Ursachen haben: unklare Erwartungen, verschiedene Vorstellungen bei der Kinderbetreuung, Missverständnisse im Alltag oder einfach unterschiedliche Gewohnheiten. Entscheidend ist weniger, ob es während deines Au pair Jahres einmal zu Konflikten kommt, sondern wie du mit ihnen umgehst.
Warum Konflikte in der Gastfamilie entstehen können
Du hast deine vertraute Umgebung verlassen und lebst plötzlich in einem anderen Land, mit einer neuen Familie und möglicherweise auch mit anderen kulturellen Vorstellungen. Gleichzeitig arbeitest du dort, wo du wohnst. Genau diese Kombination macht das Au pair Leben besonders, kann aber auch Herausforderungen mit sich bringen.
Typische Themen, bei denen unterschiedliche Erwartungen entstehen können, sind zum Beispiel:
- deine Zeiten und Aufgaben
- Regeln und Routinen bei der Kinderbetreuung
- Nutzung des Autos
- Freizeit und Wochenendplanung
- gemeinsame Mahlzeiten
- Haushaltsaufgaben
- Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten
- Kommunikation innerhalb der Familie
Was für dich selbstverständlich ist, kann für deine Gastfamilie ungewohnt sein und umgekehrt. Nicht hinter jeder unangenehmen Situation steckt deshalb gleich ein grundsätzliches Problem.
Gerade zu Beginn deines Aufenthalts müsst ihr erst herausfinden, wie euer gemeinsamer Alltag funktioniert.
Nicht zu lange warten: Probleme früh ansprechen
Viele kleinere Au pair Konflikte entstehen nicht durch einen großen Streit, sondern weil Erwartungen über längere Zeit nicht ausgesprochen werden.
Vielleicht wirst du regelmäßig später fertig als geplant. Oder du hast das Gefühl, häufiger Aufgaben zu übernehmen, die vorher anders besprochen wurden. Vielleicht gibt es auch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie du mit einer bestimmten Situation mit den Kindern umgehen sollst.
Wenn dich etwas wiederholt beschäftigt, solltest du es ansprechen.
Der richtige Zeitpunkt ist dabei wichtig. Ein Gespräch zwischen Tür und Angel, während die Kinder gerade Aufmerksamkeit brauchen oder jemand gestresst zur Arbeit muss, ist selten ideal. Frage lieber bewusst nach einem ruhigen Moment.
Du könntest zum Beispiel sagen:
„Können wir uns heute oder morgen kurz zusammensetzen? Ich würde gerne besprechen, wie wir meinen Wochenplan organisieren.“
Damit kündigst du das Thema an, ohne direkt eine konfrontative Situation entstehen zu lassen.
So führst du ein gutes Gespräch mit deiner Gastfamilie
Bei einem Konflikt hilft es, möglichst konkret über die Situation zu sprechen. Allgemeine Vorwürfe wie „Ich muss hier immer alles machen“ führen schnell dazu, dass sich die andere Person verteidigt.
Besser ist es, eine konkrete Beobachtung zu beschreiben.
Zum Beispiel:
„In den letzten beiden Wochen war ich an mehreren Tagen länger eingeplant als in unserem ursprünglichen Wochenplan. Können wir gemeinsam schauen, wie wir die Zeiten besser organisieren können?“
So bleibt das Gespräch bei dem Problem, das ihr tatsächlich lösen möchtet.
Achte während des Gesprächs darauf, dass du:
- konkrete Situationen beschreibst statt zu verallgemeinern
- deine eigene Perspektive erklärst
- der Gastfamilie ebenfalls zuhörst
- bei Unklarheiten nachfragst
- Erwartungen möglichst konkret festhaltet
- gemeinsam nach einer Lösung sucht
Gerade wenn ihr nicht dieselbe Muttersprache sprecht, lohnt es sich außerdem, nachzufragen, statt etwas zu interpretieren.
Ein einfaches „Habe ich richtig verstanden, dass …?“ kann viele Missverständnisse vermeiden.
Klare Absprachen machen den Alltag einfacher
Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn Aufgaben und Erwartungen von Anfang an möglichst konkret besprochen werden.
Das betrifft besonders deinen Arbeitsalltag. Klärt zum Beispiel, wann du normalerweise arbeitest, welche Aufgaben zu deiner Kinderbetreuung gehören und wie mit Änderungen im Wochenplan umgegangen wird.
Auch vermeintliche Kleinigkeiten sind wichtig. Darfst du das Familienauto in deiner Freizeit nutzen? Sollst du Bescheid geben, wenn du abends später nach Hause kommst? Isst du normalerweise gemeinsam mit der Familie? Gibt es feste Regeln für Gäste?
Solche Fragen wirken zunächst vielleicht unwichtig. Im gemeinsamen Alltag können daraus aber schnell unterschiedliche Erwartungen entstehen.
Deshalb gilt: Lieber einmal mehr nachfragen als davon ausgehen, dass alle dieselbe Vorstellung haben.
Nicht jeder Konflikt bedeutet, dass das Matching falsch war
Wenn es Probleme mit der Gastfamilie gibt, kann schnell der Gedanke entstehen, dass ihr vielleicht grundsätzlich nicht zusammenpasst. Besonders in den ersten Wochen solltest du einzelne schwierige Situationen aber nicht sofort als Zeichen dafür sehen, dass das Matching gescheitert ist. Ihr lernt euch noch kennen.
Du gewöhnst dich an die Familie, die Kinder lernen dich als neue Bezugsperson kennen und auch die Gasteltern müssen herausfinden, wie sie dich sinnvoll in ihren Alltag integrieren.
Ein gutes Matching bedeutet deshalb nicht, dass es niemals Meinungsverschiedenheiten gibt. Entscheidend ist vielmehr, ob ihr respektvoll miteinander sprechen und gemeinsame Lösungen finden könnt.
Der Austausch mit anderen Au pairs kann helfen
Manchmal ist es hilfreich, eine Situation mit jemandem zu besprechen, der das Au pair Leben selbst kennt.
Andere Au pairs können dir dabei helfen einzuschätzen, ob bestimmte Situationen einfach Teil der Eingewöhnung sind oder ob ein Thema tatsächlich angesprochen werden sollte.
Gleichzeitig solltest du deine Entscheidung nicht ausschließlich davon abhängig machen, wie es bei anderen Familien läuft. Jede Gastfamilie hat andere Routinen und jedes Matching ist unterschiedlich.
Nutze den Austausch deshalb eher als zusätzliche Perspektive und nicht als Maßstab dafür, wie dein Au pair Jahr aussehen muss.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Nicht jedes Problem lässt sich allein zwischen dir und deiner Gastfamilie lösen. Wenn ihr bereits miteinander gesprochen habt und keine Verbesserung entsteht, solltest du deine Ansprechperson vor Ort einbeziehen.
Das gilt besonders, wenn Absprachen dauerhaft nicht eingehalten werden, sich ein Konflikt immer wiederholt oder du unsicher bist, wie du die Situation einschätzen sollst.
Als Au pair hast du vor Ort immer lokale Ansprechpartner:innen. Sie können dabei helfen, Situationen einzuordnen, Gespräche zu moderieren und gemeinsam mit dir und der Gastfamilie nach einer Lösung zu suchen.
Du musst deshalb nicht warten, bis ein Problem besonders groß geworden ist. Unterstützung kann auch sinnvoll sein, wenn du dir einfach nicht sicher bist, wie du ein bestimmtes Thema ansprechen sollst.
Wann ein Rematch sinnvoll sein kann
Manchmal zeigt sich trotz Gesprächen und Unterstützung, dass ein Zusammenleben langfristig nicht funktioniert. Dann kann ein Wechsel der Gastfamilie, also ein Rematch, die richtige Lösung sein.
Ein Rematch sollte weder als schnelle Reaktion auf einen einzelnen Streit noch automatisch als Scheitern betrachtet werden.
Manche Unterschiede lassen sich durch bessere Kommunikation oder klarere Absprachen lösen. Andere sind grundlegender – etwa wenn Vorstellungen vom Au pair Alltag dauerhaft sehr weit auseinanderliegen oder eine tragfähige Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.
Ob ein Rematch sinnvoll ist, sollte deshalb immer gemeinsam mit den zuständigen Ansprechpartner:innen geprüft werden.
Wichtig ist vor allem, Probleme nicht bewusst zu verschweigen, nur um einen Wechsel zu vermeiden. Je früher Schwierigkeiten transparent angesprochen werden, desto besser lassen sich mögliche nächste Schritte einschätzen.
Fazit: Viele Au pair Konflikte lassen sich lösen
Ein Jahr in einer Gastfamilie bedeutet, sich auf neue Menschen, Routinen und Erwartungen einzulassen. Unterschiedliche Vorstellungen gehören dabei manchmal dazu.
Wenn etwas nicht funktioniert, hilft meistens ein klarer Ablauf: Beobachte zunächst, worum es konkret geht. Sprich das Thema frühzeitig und möglichst sachlich an. Vereinbart konkrete Änderungen und schaut anschließend, ob sie im Alltag funktionieren.
Und wenn ihr alleine nicht weiterkommt, beziehe deine lokale Betreuung ein.
Gerade im Au pair Alltag müssen nicht alle dieselben Gewohnheiten oder Meinungen haben. Entscheidend ist, dass Erwartungen klar sind, Absprachen eingehalten werden und beide Seiten bereit sind, miteinander zu sprechen. Genau diese Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, ist letztlich auch ein wichtiger Teil des kulturellen Austauschs.
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